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Schon mehr als 3,5 Millionen "Je suis Charlie"-Tweets

AFP
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THURSDAY, JANUARY 8, 2015 8:16 PM GMT

Der aus Solidarität mit den Opfern des Anschlags auf die französische Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" kursierende Slogan #JeSuisCharlie (Ich bin Charlie) hat sich rasend schnell im Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet. Der Hashtag sei bereits in mehr als 3,5 Millionen Twitter-Nachrichten verwendet worden, teilte das Online-Portal mit. Ein Höhepunkt wurde am Mittwochabend um 21.30 Uhr erreicht, als 6500 Tweets pro Minute registriert wurden.

Am Mittwochnachmittag standen die zehn am häufigsten von französischen Internetnutzern verwendeten Stichwörter im Zusammenhang mit dem Anschlag auf "Charlie Hebdo". Besonders häufig waren dabei die Hashtags #JeSuisAhmed (Ich bin Ahmed) und #JeSuisPolicier (Ich bin Polizist). Damit sollte der beiden bei dem Attentat getöteten Polizisten gedacht werden. Im sozialen Internetnetzwerk Instagram wurden heute Nachmittag rund 648.700 Fotos mit dem Stichwort #JeSuisCharlie geteilt.

Trotz des Anschlags mit zwölf Toten soll die französische Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" in der kommenden Woche erscheinen - und zwar mit einer ungewöhnlich hohen Auflage. Anstatt der üblichen 60.000 würden eine Million Exemplare gedruckt, kündigte der Anwalt des Wochenblatts, Richard Malka, an. Das "weltweite Interesse" nach dem blutigen Anschlag rechtfertige diese hohe Auflage. Das Heft soll Malka zufolge allerdings nur acht Seiten umfassen, anstatt der üblichen 16.

"Wir werden weitermachen", sagte "Charlie Hebdo

- Autor Patrick Pelloux nach einem Treffen mit anderen Redaktionsmitgliedern der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben uns entschieden, kommende Woche eine Ausgabe herauszugeben. Wir sind alle einverstanden."

"Das ist sehr hart, wir alle sind voller Leid, Schmerz, Angst", sagte Pelloux weiter. "Aber wir machen es trotzdem, denn die Dummheit wird nicht gewinnen. Charb hat immer gesagt, dass die Zeitung erscheinen müsse, koste es, was es wolle."

"Charlie" müsse herauskommen, betonte auch der Chef der Nachrichtenagentur AFP, Emmanuel Hoog. Würde dies nicht geschehen, wäre dies eine "Abdankung".

Die linksgerichtete "Libération" will die verbliebenen Mitarbeiter von "Charlie Hebdo" ab Freitag in ihren Redaktionsräumen unterbringen, weil die Büros des Satireblatts wegen der laufenden Ermittlungen zunächst nicht genutzt werden können. Auch die Pariser Abendzeitung "Le Monde" und der private Fernsehsender Canal plus boten Unterstützung an.

Bereits im Jahre 2012, als die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" nach der Veröffentlichung vom Mohammed-Karikaturen durch einen Brandanschlag verwüstet wurden, hatte "Libération" die Kollegen des Satiremagazins vorübergehend beherbergt.

Unterdessen vezichtete die Tageszeitung "Jyllands-Posten" aus der dänischen Stadt Aarhus bewusst darauf, an ihre vor zehn Jahren publizierte Karikaturen-Strecke über den Propheten Mohammed anzuknüpfen. "Ich bekräftige mein Recht, als Chefredakteur jede Art von Zeichnungen bei Gelegenheit zu veröffentlichen - aber nicht jetzt", erläuterte Chefredakteur Jörn Mikkelsen in einer Kolumne seiner Zeitung. "Die Debatte wird nun seit zehn Jahren geführt - für oder gegen die Karikaturen - und wir müssen weiterkommen."

Die "Jyllands-Posten" steht unter ständiger Bedrohung, seit sie 2005 Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, die anschließend auch in "Charlie Hebdo" publiziert wurden. Gegen die Veröffentlichung wurde in mehreren muslimisch geprägten Länder demonstriert, zum Teil gewalttätig. Die dänische Polizei vereitelte mehrfach Anschläge auf die "Jyllands-Posten". Nach dem Pariser Anschlag wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Aarhus verstärkt. Schutz genieße vor allem der Chefredakteur, der die Veröffentlichung 2005 verantwortete, Flemming Rose.

Mikkelsen sagte, in der gegenwärtigen Situation halte er es für "absolut unverantwortlich", neue oder alte Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen. Die "Jyllands-Posten" trage Verwantwortung für sich selbst und für ihre Angestellten. Dagegen brachten die dänischen Tageszeitungen "Politiken" und "Berlingske" etliche einschlägige Titelseiten von "Charlie Hebdo", darunter eine, auf der zu sehen ist, wie ein Jude den Propheten Mohammed im Rollstuhl vor sich herschiebt. Die Boulevard-Zeitung "Ekstra Bladet" nannte sich ausnahmsweise "Charlie Hebdo".


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